CE-Doc lässt sich auf vier verschiedene Arten betreiben — von voll lokal
bis SaaS. Die Wahl bestimmt Hardware-Aufwand, Laufkosten, Datenschutz-Profil
und Einstiegshürde. Diese Seite vergleicht die vier Varianten, beschreibt
pro Modell den Aufbau und benennt typische Migrations-Pfade.
Die vier Modelle sind nicht exklusiv. Ein typischer Lebenszyklus beginnt
mit Modell D in der Test-Phase, wechselt nach abgeschlossenem Pilot auf
Modell C (eigene Daten-Hoheit ohne GPU-Investition) und geht erst bei
hohem Akten-Volumen oder Air-Gap-Anforderung auf Modell A über.
Small-LLM-First — wo es gilt und wo nicht
Für Reasoning (Klassifikation, Slot-Befüllung, Klausel-
Bezug, Lektor-Konsistenz) reichen kleine LLMs. Den Großteil der Arbeit
leistet der Code-Harness: Lookup-Bibliothek mit Pflicht-Normen-Klauseln,
Pflichtsektionen-YAML, semantischer Match-Service. Die LLMs entscheiden
nur dort, wo der Code-Pfad nicht weiterkommt. Mistral Small 22B (EU-
Modellfamilie) reicht für Sichter und Schreiber. Cross-Provider-Pflicht
bei Lektor L4 wird lokal durch ein heterogenes Zweitmodell abgedeckt —
Qwen 3 32B (Alibaba) oder Gemma 3 27B (Google).
Für Vision (Schaltpläne, Maschinen-Zeichnungen, gescannte
Altdokumente, Foto-Eingänge) reichen Small-Modelle nicht. Die
Pipeline arbeitet daher zweistufig: Mistral Small 3.x als multimodaler
Default-Klassifikator für einfache Bilder; bei technisch komplexen
Diagrammen Eskalation auf ein Large-Vision-Modell — entweder per
Cloud-API (Pixtral Large, Sonnet 4.6 Vision, Gemini 2.5 Pro Vision)
oder lokal über Qwen 2.5-VL 32B als drittes Modell auf
der RTX 5090.
Auf einer RTX 5090 (32 GB VRAM) werden die Modelle sequentiell
je nach Pipeline-Phase geladen — Mistral Small (~13 GB Q4) für die
Massenarbeit, Qwen 3 32B (~18 GB Q4) für die Lektor-Phase, Qwen 2.5-VL
32B (~19 GB Q4) für Vision-Hardcases. Wechsel-Latenz wenige Sekunden
pro Phasen-Übergang.
Modell A
Voll lokal mit RTX 5090
Air-Gap · Branchen mit Daten-Hoheits-Pflicht
Der Koordinator betreibt CE-Doc vollständig auf eigener Hardware. Keine
ausgehenden Cloud-Aufrufe; LLM-Inferenz läuft auf einer NVIDIA RTX 5090
im Server-Tower oder Workstation-Format. Mandanten-Daten verlassen die
Koordinator-Infrastruktur zu keinem Zeitpunkt.
Architektur
Hardware
Komponente
Spezifikation
Preis
GPU
NVIDIA RTX 5090, 32 GB GDDR7
2.500–3.000 €
CPU
AMD Ryzen 9 oder Intel i9, 16+ Kerne
500–700 €
RAM
64 GB DDR5
200–300 €
NVMe
2× 2 TB (Mandanten-Daten + Modelle)
250–400 €
Netzteil
1000 W+ (RTX 5090 zieht 575 W TDP)
200–300 €
Gehäuse, Kühlung, Mainboard
—
400–600 €
Einmalig gesamt
4.000–5.300 €
Strom (6 h/Tag aktiver Inferenz, 0,30 €/kWh)
—
~380 €/Jahr
Setup-Skizze
Einmalige Inbetriebnahme (~1 Arbeitstag)
Server-Hardware aufbauen, Ubuntu Server 24.04 LTS installieren
NVIDIA-Treiber + CUDA 12.6 + cuDNN installieren (NVIDIA Production Branch)
Python 3.12 venv anlegen, AIMOS-Repo klonen (private GitLab oder Tarball-Lieferung)
vLLM oder llama.cpp installieren, drei GGUF-Modelle herunterladen:
mistral-small-22b-q4_k_m.gguf (~13 GB),
qwen3-32b-q4_k_m.gguf (~18 GB) und
qwen2.5-vl-32b-q4_k_m.gguf (~19 GB, multimodal für Vision)
Modell-Hot-Swap konfigurieren: Switchboard lädt Mistral Small als
Default, tauscht für Lektor-L4 auf Qwen 3 32B, und für Vision-
Hardcases (Schaltpläne, Foto-Eingänge) auf Qwen 2.5-VL 32B
(Unload/Load via vLLM-API, 3–6 s pro Wechsel)
Hohe Einmalkosten und Hardware-Verantwortung beim Koordinator
GPU-Updates und Modell-Versionierung sind Koordinator-Aufgabe
Modell-Wechsel zwischen Pipeline-Phasen kostet 3–6 s pro Übergang
Skalierung erfordert zweite Karte oder größeres VRAM-Modell (RTX 6000 Ada 48 GB)
Modell B
Angemieteter Cloud-Server mit RTX 5090
Spitzen-Last · Test-Phase · Pay-per-Use
Statt eigener Hardware-Investition mietet der Koordinator eine GPU-Instanz
stundenweise — bei Anbietern wie Vast.ai, RunPod oder Lambda Labs. Die
Instanz wird beim Akten-Start hochgefahren, läuft während der Pipeline-
Stufen und wird danach wieder beendet. Daten liegen auf dem Koordinator-Server
(Modell C oder eigene Infrastruktur); die Cloud-GPU bekommt sie nur für
die Dauer der LLM-Aufrufe per API.
30 GB Modell-Daten, nicht bei jedem Start neu laden
Akte mit ~2 h GPU-Zeit
1,60–2,40 $
plus Storage-Anteil
Setup-Skizze
Einmalige Vorbereitung (~3 h)
Vast.ai- oder RunPod-Account anlegen, Zahlungsmittel hinterlegen, Budget-Limit setzen
Custom-Docker-Image mit vLLM + GGUF-Modellen bauen und in Image-Registry pushen (~50 GB inkl. Qwen 2.5-VL für Vision-Hardcases)
Koordinator-Server (Modell C) mit AIMOS-Repo aufsetzen — Portal, Mandanten-DB, Switchboard
Switchboard-Config: dynamischer Endpoint, Auto-Spin-Up via Vast.ai-API beim ersten Aufruf einer Akte
Mit Auto-Suspend nach 30 min Idle, Auto-Resume bei nächster Aufgabe
Pro Akte (automatisch)
Koordinator wirft Akte ins Portal — Pipeline-Treiber prüft GPU-Verfügbarkeit
Wenn keine Instanz aktiv: Vast.ai-API startet RTX 5090, vLLM lädt Modelle (~2 min)
Pipeline-Phasen laufen, jeder Switchboard-Call geht an die Cloud-GPU
Nach 30 min ohne weiteren Call: Instanz wird suspendiert (Volume bleibt erhalten)
Vorteile
Keine Investition in eigene GPU — Hardware-Risiko bei Cloud-Anbieter
Skalierung über mehrere Akten parallel durch zusätzliche Instanzen
Geeignet zum Testen von Modell A vor dem Kauf
Pay-per-Use: ruhige Wochen kosten nichts
Nachteile
Mandanten-Daten gehen während der Pipeline in die Cloud — Standort der GPU prüfen (Vast.ai hat oft US-/Asien-Hosts)
AVV mit Cloud-GPU-Anbieter erforderlich, DSGVO-Konformität pro Anbieter zu bewerten
Spin-Up-Latenz von 1–3 min pro Akten-Start
Volatile Preise bei Spot-Instanzen
Modell C
Eigener Server mit Mistral-API
EU-Hosting · Daten-Hoheit · ohne GPU-Investition
Der Koordinator betreibt das Portal und die Mandanten-Datenhaltung auf eigener
Hardware (Mini-PC im Büro, ein NUC, oder ein VPS bei einem EU-Provider).
Die LLM-Inferenz wird an die Mistral-API in Paris ausgelagert. Die
Koordinator-Maschine selbst braucht keine GPU — eine moderne CPU mit 16 GB RAM
genügt.
Architektur
Hardware
Komponente
Spezifikation
Preis
Mini-PC oder Intel NUC
i5/i7, 16 GB RAM, 500 GB NVMe
500–900 €
Alternativ: VPS
Hetzner CCX13, 4 vCPU, 16 GB RAM, EU-Hosting
~20 €/Monat
Backup-NAS oder Cloud-Backup
4 TB
200–400 € einmalig oder 5 €/Mt
Einmalig (Mini-PC-Variante)
700–1.300 €
Laufend (VPS-Variante)
~25 €/Monat
LLM-Kosten pro Akte
Pipeline-Stufe
Modell
Token (ca.)
Kosten
Sichter + Disziplin-Analysten (10 Calls)
mistral-small-latest
~120k
~0,04 €
Schreiber (15 Slots)
mistral-small-latest
~80k
~0,02 €
Lektor L4 + Argumentations-Prüfer
magistral-medium-latest
~40k
~0,05 €
Vision-Hardcases (Schaltpläne, nur bei Bedarf)
pixtral-large-latest
~15k pro Bild
~0,05 € pro Bild
Pro Akte (Mittelwert, 1–2 Vision-Calls)
~0,15–0,25 €
Setup-Skizze
Einmalige Inbetriebnahme (~3 h)
Mini-PC mit Ubuntu Server 24.04 aufsetzen, SSH-Zugang einrichten, ufw-Firewall konfigurieren
Caddy oder Cloudflare Tunnel für TLS-Terminierung; Domain auf Koordinator-Server zeigen (z. B. portal.koordinator-name.de)
Mistral-API-Key beantragen unter console.mistral.ai, AVV nach DSGVO Art. 28 herunterladen und ablegen
AIMOS-Repo klonen, .env mit API-Key + Domain konfigurieren, ZDR-Header in Switchboard aktivieren
Portal als systemd-Unit starten, Backup-Cron einrichten (täglich nach Backup-Skript scripts/backup.sh)
Optional: Anthropic-Key als Cross-Provider-Fallback für Lektor L4 hinzufügen (Diversität gegen Mistral-Ausfall)
Vorteile
Mandanten-Daten bleiben physisch beim Koordinator (Akten, Audit-Trails, akt_state)
Nur die LLM-Aufrufe gehen an Mistral — kein Modell-Training auf den Daten (AVV-Klausel + ZDR-Modus)
Volle Kontrolle über die Domain, API-Keys, TLS-Zertifikate
Nachteile
API-Aufrufe verlassen den Koordinator-Server — Mistral ist Sub-Verarbeiter
Provider-Verfügbarkeits-Risiko (Mistral-Ausfälle ggf. mit Anthropic-Fallback abfangen)
API-Kosten skalieren mit Akten-Volumen
Koordinator wird selbst zum Server-Operator (Updates, Backups, TLS)
Modell D
SaaS bei EcoHub
Pilot · Test-Phase · Einstieg ohne IT-Investition
EcoHub betreibt die komplette Infrastruktur. Der Koordinator erhält einen
Zugang zum Portal unter portal.ce-doc.eu/<koordinator-id>,
ein tenant-isoliertes Workspace-Verzeichnis und startet ohne eigene
IT-Einrichtung. Die drei anderen Modelle erfordern jeweils eine separate
Domain-, API-Key- und SMTP-Einrichtung; für die Test- und Lern-Phase
ist Modell D daher meist die einstiegsschnellste Variante.
Architektur
Was EcoHub bereitstellt
Multi-Tenant-Portal mit Koordinator-Login (Rollen-Matrix nach H-2.A1)
SMTP-Adresse <koordinator-id>@ce-doc.eu für Mandanten-Korrespondenz
Eigenes Workspace-Verzeichnis workspaces/berater_<id>/ mit Tenant-Isolation
Provider-Mix Mistral + Anthropic + Groq mit automatischem Fallback
Tägliche Backups, 30-Tage-Auto-Lösch-Frist für Test-Daten, Health-Monitoring
AVV nach DSGVO Art. 28 zwischen EcoHub und Koordinator
Optionaler SSH-Lernzugang
Während der Test- und Lern-Phase bietet EcoHub auf Wunsch einen
SSH-Zugang zur Koordinator-Sandbox auf dem EcoHub-Server an.
Damit kann der Koordinator:
Im akt_state-JSON eines Vorgangs stöbern und das Datenmodell verstehen
Eigene Konfig-Anpassungen testen (LLM-Aliase, Lookup-Einträge)
Pipeline-Läufe im Detail nachvollziehen (Audit-Log, Provider-Stats)
Den Wechsel auf Modell C vorbereiten — die Setup-Schritte werden direkt am laufenden System geübt
Wichtig: Der SSH-Zugang ist auf das Koordinator-eigene Workspace
beschränkt (chroot-isoliert, kein Zugriff auf andere Mandanten oder System-Konfig).
Für produktiv-vertrauliche Mandanten-Daten empfehlen wir den Umstieg auf
Modell C, sobald die Lern-Phase abgeschlossen ist.
Mehrere Provider transparent über EcoHub-Switchboard
Inkl. Operations, Backups, Monitoring, Updates
SSH-Zugang ermöglicht Lernen am laufenden System
Übergangsmodell auf C oder A jederzeit möglich
Nachteile
Mandanten-Daten liegen auf EcoHub-Infrastruktur (Hetzner Helsinki, EU)
Provider-Vielfalt liegt in EcoHub-Hand; Wahl-Eingriff begrenzt
Bei großem Akten-Volumen ggf. unwirtschaftlicher als Modell C
Koordinator-Branding über Subdomain, nicht eigene Domain (außer Custom-Domain-Add-On)
Typischer Migrations-Pfad
Die vier Modelle sind als Reise gedacht. Koordinator starten in der Regel
klein und ziehen mit steigender Mandanten-Zahl, höherer Vertraulichkeits-
Anforderung oder gewachsenem IT-Vertrauen auf die nächste Stufe um.
Klassischer Lebenszyklus
▶D · SaaS EcoHub — Pilot mit 1–3 Test-Mandanten, Lern-Phase, optional SSH-Zugang
▶C · Eigener Server + Mistral-API — eigene Domain, eigene Daten-Hoheit, Mini-PC im Büro
▶A · Voll lokal — RTX 5090 Workstation, wenn Air-Gap-Mandanten oder Daten-Souveränitäts-Pflicht
Alternativer Pfad
▶D · SaaS → B · Cloud-GPU — wenn der Koordinator auf Cloud-Infrastruktur bleibt, aber eigene API-Keys und Daten-Hoheit will
Migrations-Werkzeuge: Workspace-Export als verschlüsseltes ZIP (siehe
Sicherheit · Aspekt 1), Modell-Wechsel
über Switchboard-Config ohne Pipeline-Anpassung, AVV-Update beim Übergang
zwischen Modellen.
Modell-Wahl
Die Wahl des Betriebsmodells hängt ab von Mandanten-Zahl,
Vertraulichkeits-Profil, vorhandener IT-Infrastruktur und gewünschter
Daten-Hoheit. Eine konkrete Zuordnung erfolgt im Pilot-Gespräch.