Methodische Tiefe statt nur Doku
Risikobeurteilung nach EN ISO 12100
Das Kerngeschäft eines CE-Koordinators ist nicht das Schreiben der Akte —
es ist die methodische Risikobeurteilung. Wir zeigen ehrlich, welche der
acht Schritte nach EN ISO 12100 §5 unser System heute übernimmt, und
welche Stellen wir bewusst beim Berater belassen.
Die acht Schritte — wer macht was?
EN ISO 12100 §5 beschreibt die Risikobeurteilung in acht aufeinander
aufbauenden Schritten. Pro Schritt: was die Pipeline leistet, wo wir
Lücken offen kommunizieren.
1
Grenzen der Maschine festlegen
Verwendungs-, räumliche, zeitliche und Lebenszyklus-Grenzen. Wir
ziehen Stammdaten aus den Eingangsdokumenten und ergänzen
konservative Defaults pro Maschinen-Archetyp.
teil-automatisiert
2
Gefährdungen identifizieren
26 Gefährdungsklassen nach Anhang A. Wir extrahieren aus
Hersteller-Dokumenten und ergänzen typische Phasen-Defaults pro
Archetyp. HAZOP / FMEA / FTA als systematische Methode bauen wir
in einer späteren Ausbaustufe.
teil-automatisiert
3
Risiko abschätzen
Heute klassifizieren wir in „hoch / mittel / niedrig". Die formale
S×W×V-Bewertung nach EN ISO 14121 (Schwere × Wahrscheinlichkeit ×
Vermeidbarkeit) folgt in der nächsten Ausbaustufe — siehe Roadmap.
in Ausbau
4
Risiko bewerten
Wir aggregieren Befunde nach Schwere und Compliance-Score. Die
Akzeptanz-Entscheidung pro Risiko bleibt beim Berater — sie ist
Bestandteil der CE-Verantwortung und nicht algorithmisierbar.
teil-automatisiert
5
Risiko mindern in drei Stufen
Konstruktive Maßnahmen (Stufe 1) → technische Schutzeinrichtungen
(Stufe 2) → Benutzer-Information (Stufe 3). Acht Schreiber-Agenten
und ein Aggregator bilden die Drei-Stufen-Tabelle pro Klausel.
automatisiert
6
Iteration bis akzeptabel
Findings ohne dokumentierte Schutzmaßnahme erzeugen automatisch
eine offene Rückfrage an den Hersteller. Lektor-L4 prüft die
Konsistenz zwischen Risiken, Schutzmaßnahmen und Restrisiken.
automatisiert
7
Methoden anwenden (HAZOP / FMEA / FTA)
Heute nicht produktiv im System. Methoden-Auswahl bleibt beim
Berater. Für die Pilot-Phase ein bewusster Verzicht — generative
Methoden bauen wir erst nach Pilot-Erfahrung mit harten Filtern.
in Ausbau
8
Performance-Level / SIL für Steuerungen
EN ISO 13849 (PL) und EN 61508 / 62061 (SIL). Wir erfassen heute
die Hersteller-Angaben und prüfen die Plausibilität gegen die
Gefährdungsklasse. Die formale Berechnung mit MTTFd / DC / CCF
bleibt heute beim Hersteller (Sistema und ähnliche Werkzeuge).
in Ausbau
Klare Verantwortungs-Trennung
Wir nehmen dem Berater Schreibarbeit ab, nicht seine fachliche
Verantwortung. Das ist auch rechtlich notwendig: die
Maschinenverordnung verlangt, dass die Konformitätserklärung
höchstpersönlich vom Hersteller (bzw. seinem Bevollmächtigten)
unterschrieben wird.
Das bleibt beim Berater und Hersteller
- Akzeptanz-Entscheidung pro Risiko („ist das tragbar?")
- Bewertung von Sonderfällen (verkettete Maschinen, mobile Geräte)
- Methodenwahl bei seltenen Maschinenklassen
- Auditor-Kommunikation und Behörden-Auskünfte
- Formale PL- / SIL-Berechnung mit Sistema oder gleichwertig
- Unterschrift der EU-Konformitätserklärung durch den Hersteller
Roadmap — wie wir die methodische Tiefe ausbauen
Wir bauen nicht „auf Vorrat". Nach jedem Pilot messen wir, wo die
Berater die meiste Zeit verbringen, und priorisieren danach.
Aktueller Stand: vier kompakte Sprints für die nächsten Wochen,
vier größere Sprünge im Backlog für Q3/Q4 2026.
Nächste Sprints (vor zweitem Pilot-Kunden, ca. 14 Stunden)
RISK-1 — S×W×V-Bewertung
≈ 5 h
Schwere × Wahrscheinlichkeit × Vermeidbarkeit pro Befund nach
EN ISO 14121, mit LLM-Vorschlag und Berater-Bestätigung.
R-Wert von 1–27 ersetzt das alte hoch/mittel/niedrig-Tag.
RISK-2 — Lebenszyklus-Coverage
≈ 3 h
Aktiver Lektor prüft, ob jede der neun Lebenszyklus-Phasen
(Transport, Montage, Inbetriebnahme, Betrieb, Reinigung,
Wartung, Störung, Demontage, Entsorgung) adressiert ist.
RISK-3 — PL-Plausibilität
≈ 4 h
Tabelle Gefährdungsklasse × erforderlicher Performance-Level
nach EN ISO 13849-1 Anhang A. Hersteller-Angaben werden
plausibilisiert — formale Berechnung bleibt beim Hersteller.
RISK-4 — Warnhinweis-Crosscheck
≈ 2 h
Jedes Restrisiko muss nach EN ISO 12100 §6.4.5 als Warnhinweis
in der Betriebsanleitung erscheinen. Semantischer Match prüft
die Verknüpfung und meldet Lücken.
Größere Sprünge (Q3 / Q4 2026, nach Pilot-Erfahrung priorisiert)
HAZOP-Generator
≈ 2 Wochen
Pro Funktion und Lebenszyklus-Phase systematische Erzeugung von
Abweichungs-Szenarien. Erfordert harte Filter gegen
Halluzinationen und Domänen-Experten in der Loop.
PL-Berechnung mit Komponenten-DB
≈ 3 Wochen
MTTFd-Datenbank aus öffentlichen Quellen (Sistema, Pilz,
Schmersal). Berechnung nach EN ISO 13849-1 Anhang D. Größter
Engpass: laufende Pflege der Komponenten-Daten.
Risiko-Heatmap im Portal
≈ 1 Woche
Visualisierung von Schwere und Wahrscheinlichkeit als
2D-Heatmap, Vorher-/Nachher-Vergleich der Drei-Stufen-Reduktion,
Drag-Drop-Anpassung durch den Berater.
FMEA für sicherheitsbezogene Steuerungen
≈ 2 Wochen
Strukturierte FMEA-Tabelle mit RPN-Berechnung pro
Sicherheitsfunktion. Besonders relevant für Maschinen mit
KI-Bauteilen und komplexen Steuerungen.
Was Sie davon haben
Heute ist CE-Doc ein methodisches Risiko-Werkzeug, das die Pflicht-
Arbeit der Risikobeurteilung strukturiert übernimmt, ohne dem
Berater die fachliche Entscheidung aus der Hand zu nehmen. Nach den
nächsten vier Sprints ist S×W×V-Bewertung, Lebenszyklus-Coverage
und PL-Plausibilität Teil jeder Akte — eine echte Risikobeurteilung
nach EN ISO 12100, nicht nur eine Dokumentations-Hilfe.
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